Diese menschlichen Ueberreste befinden sich groesstenteils noch in Sammlungen auf deutschem Boden Copyright Oliver Feldhaus

Menschliche Gebeine

„Ich frage mich: Wenn man die Verstorbenen irgendwo in Depots im Keller und im Regal lagert- ist das europäisch? Ist das christlich?“

 - Mnyaka Sururu Mboro

Menschliche Gebeine - Human Remains - Berlin Postkolonial - Just Listen - Copyright Yusuf Beyazit

Wenn hier von Human Remains gesprochen wird, handelt es sich um Gebeine ermordeter Menschen, welche in der Kolonialzeit und in der NS-Zeit zu rassistischen pseudowissenschaftlichen Zwecken der anthropologischen Forschung missbraucht wurden.

Bis heute befinden sich tausende menschliche Überreste, die unter kolonialen Umständen für rassistische Forschungen nach Deutschland und in andere Länder des Westens verschleppt wurden, in ethnologischen, universitären und privaten Sammlungen. Über ihre genaue Anzahl und Herkunft schweigen sich die Sammlungsverantwortlichen in der Regel aus, es ist aber ein offenes Geheimnis, dass sich noch immer zahlreiche Human Remains aus Namibia, Tansania, Ruanda, Kamerun, Togo, Südafrika und Papua-Neuguinea in Deutschland befinden.

Trotz zivilgesellschaftlicher Initiativen, welche von den Sammlungen die proaktive Inkenntnissetzung der Herkunftsgesellschaften und die Bereitschaft zur Überführung fordern, verläuft der Rückgabeprozess nur extrem schleppend. So haben deutsche Sammlung bisher nur dann Rückgaben ermöglicht, wenn Nationalstaaten (z.B. Neuseeland, Australien und Namibia) diese von sich aus gefordert haben. Bis heute ist daher nur ein Bruchteil der geraubten Schädel, Skelette und anderen Körperteile Kolonisierter an die Nachfahren zurückgegeben worden.

„Dass diese Körperteile nun in Museen sind, ist für mich ein weiterer Gewaltakt. Das heißt: ein Gewaltakt über den Tod hinaus. Man perpetuiert das Unrecht, wenn sie immer noch in Deutschland sind.“

 - Marie Biloa Onana

Für weiterführende Informationen und ausführlichere Erläuterungen zum Thema Human Remains siehe folgende Seiten:

  • Webdarstellung der Bündniskampagne No-Humboldt 21. Informationen, Videomaterial zu dem Thema der menschlichen Gebeine
  • Projekt “Manufacturing Race” von Studierenden der Freien Universität und Prof. Dr. Bilgin Ayata –Informationen zum ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Insitut und rassistischer Forschung an menschlichen Gebeinen
  • Forschungsprojekt der Charité zu menschlichen Gebeinen in deutschen Sammlungen
  • Stellungnahme der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum Umgang mit Human Remains

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Reparationen

„Was man nicht sagen möchte: Deutsche, Kolonialisten, die sich in Namibia niedergelassen haben, profitieren weiterhin von den Früchten dieses Genozids. Das ist nicht akzeptabel!“

 - Moctar Kamara

Zwischen 1904 und 1908 ermordete die deutsche Kolonialmacht in der damaligen Kolonie Deutsch-Westafrika (heutiges Namibia) etwa 40.000-60.000 Herero und 10.000 Nama.

Erst 2016 wurde dieses Verbrechen offiziell durch die deutsche Bundesregierung als Völkermord anerkannt. Derzeit verhandeln die Regierungen von Namibia und Deutschland über Reparationen. Opferverbände der Herero und Nama sind dabei weitgehend ausgeschlossen. Im Zusammenhang mit Entschädigungsforderungen wird auf die deutsche Entwicklungshilfe in Namibia verwiesen. Anfang 2017 reichte ein Herero und Nama Bündnis in New York eine Klageschrift gegen die Bundesrepublik Deutschland ein und erneuerte damit die Forderung nach Entschädigung und Beteiligung an Verhandlungen.

„Ich glaube es ist höchste Zeit, dass Reparationen geleistet werden und das soll im Einvernehmen, in Abstimmung mit den Communities der Ovaherero und Namas stattfinden, die noch bis zum heutigen Tag [unter den Folgen des Genozids] zu leiden haben.“

- Marianne Ballé Moudoumbou

Ausführliche Informationen und Neuigkeiten in Wort und Bild sowie Pressespiegel und weiterführende Links sind hier zu finden:

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Humboldtforum

Das Erste, woran ich denke, sind die vielen geraubten Schätze, die darin, wie soll ich sagen, aufbewahrt werden, aber schließlich dazu dienen, dass besonders das weiße Publikum sich diese Schätze in der Weise aneignet, dass sie selbstverständlich wieder und wieder und wieder davon ausgehen, dass das ihnen gehört, dass das hierher gehört, in ihre Museen.“

 - Lucia Muriel

Das Humboldtforum ist ein Projekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem selbsterklärten Ziel in Berlin ein internationales Zentrum für die Verknüpfung von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung zu schaffen. Besonders betont wird bei der Durchführung des Projektes, dass es um Kulturdialog geht und unterschiedliche Perspektiven auf geschichtliche und zeitgenössische Themen, was durch die Einbindung von Museen, Bibliotheken und Universitäten gewährleistet werden soll.

Ironischerweise stellt das Projekt dabei den Anspruch an sich in einer globalisierten Welt Entwicklungen auf ökonomischer und ökologischer Ebene in der Weltgesellschaft deutlich zu machen und als Ort für ein “[…]gleichberechtigtes Zusammenleben der Kulturen und Nationen[..]” zu stehen.

Problematisch daran sind verschiedene Ebenen:

Viele der Gegenstände sind gewaltsam in den Besitz deutscher Museen gelangt, im Rahmen kolonialer Enteignungspolitik. Den Nachfahren Kolonisierter, welche diese Kunstobjekte zurückfordern, werden jedoch übergangen und nicht einmal in den Prozess der Entstehung des Humboldtforums eingebunden.

Anstelle sich mit der Herkunft der besagten Objekte zu beschäftigen im Rahmen von Provenienzforschung und auf den kolonialen Kontext hinzuweisen, der überhaupt erst möglich macht, dass sich diese Objekte in Deutschland befinden, werden Gelder lieber in Projekte wie die Renovierung der Fassade des Berliner Schlosses investiert (was als Ausstellungsort dienen soll).

Auch zeigt sich anhand der Sammlungen an einer weiteren Stelle weshalb der Anspruch eines Kulturdialogs verfehlt wird: Es werden außereuropäische Kunstgegenstände ausgestellt im Namen einer preußischen Kulturstiftung ohne diejenigen einzubinden, aus deren Kontext die Objekte herausgerissen wurde. Eine solche Perspektive und Darstellung wird auch als Eurozentrismus bezeichnet, wenn aus europäisch weißer Sicht und Maßstab Kunstgegenstände und Kulturen dargestellt und bewertet werden. Dieser Eurozentrismus ist verbunden mit einer rassifizierenden Wissenschaft: Viele der Objekte dienten als Forschungsgegenstände während der Kolonialzeit, um eine angebliche Unterlegenheit außereuropäischer Gesellschaften zu beweisen.

„Zum Humboldt Forum fällt mir nur auf, wieviel in das Projekt gesteckt wird an Geld, wie viele Hunderte von Millionen, um größtenteils Beutekunst aus ehemaligen Kolonien hier aufs Podest zu stellen."

- Abdel Amine Mohammed

Für weiterführende Informationen und ausführlichere Erläuterungen zur Kritik am Humboldtforum siehe folgende Seiten:

  • Ausführliche Erläuterung der Problematiken des Humboldtforums in Bezug auf Eurozentrismus, Kolonialismus, Orientalismus, Beutekunst auf africavenir.org
    > Hinweise auf Diskussionsveranstaltungen mit kritischem Blick auf das Humboldtforum
    > dekoloniale Aktionen und Initiativen zum Humboldtforum
  • Webdarstellung der Bündniskampagne No-Humboldt 21 der Bündnispartner_innen ISD (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland), glokal e.v., BER Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag e.v., AfricAvenir International,Afrotak TV cyberNomads, Berlin Postkolonial, Artefakte//anti-humboldt
    > Sammlung von verschiedenen Medien mit Erläuterungen zu Problematiken, Aktionen und Initiativen für ein Moratorium des Projekt Humboldtforum
    > weiterführende Links zu Kritischen Initiativen im Hinblick auf das Humboldtforum
  • Wanderausstellung der Projekte Artefakte//anti-humboldt (Brigitta Kuster, Regina Sarreiter, Dierk Schmidt) und AFROTAK TV cyberNomads (Michael Küppers-Adebisi) in Kooperation mit Andreas Siekmann und Ute Klissenbauer
    > Materialien: künstlerische Miniaturarbeiten, Videomaterial, Flyer, Plakate – entstanden im Rahmen der Kampagne No Humboldt 21!

Siehe auch die Webseiten der Bündnispartner_innen der Kampagne No-Humboldt 21:

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„Für mich bedeutet Humboldt Forum Raub und Diebstahl. Das heißt all diese Gegenstände, all diese Kulturgüter [...] gehören nicht in dieses Museum. Sie gehören den Ländern aus denen sie stammen"

- Israel Kaunatjike


Audre Lorde - Straßenumbenennung - Just Listen - Berlin Postkolonial

Straßennamen

Die ehemaligen Kolonisierer im Globalen Norden bestimmen immer noch die Rahmenbedingungen, die Aushandlungen, wie Kolonialgeschichte aufgearbeitet und sichtbar gemacht wird."

 - Tahir Della

Anton W Amo - Straßenumbenennung - Just Listen - Berlin Postkolonial
Audre Lorde - Strassenumbenennung - Just Listen - Berlin Postkolonial 5

In vielen deutschen Städten lassen sich bis heute Straßen finden die nach den Kolonisierenden benannt werden und an die brutale Kolonialzeit erinnern. Es findet allerdings keine Auseinandersetzung mit dieser Zeit statt und es entsteht unter vielen AktivistInnen der Eindruck, dass so koloniale Verbrechen und Gräueltaten verherrlicht werden.

Ein prominentes Beispiel ist die Petersallee in Berlin. Benannt ist sie nach dem “Begründer” der ehemaligen Kolonie “Deutsch-Ostafrika” Carl Peters, der im heutigen Tansania bis heute als “mkono wa damu” (“die Bluthand”) bekannt ist und dessen Taten im Nationalsozialismus geehrt wurden. 1986 wurde die Petersallee zwar umgewidmet und soll nun an den NS-Widerständler Hans Peters erinnern, allerdings bleibt eine Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte und ihrem fortwirken im öffentlichen Raum aus.

M*straße - Straßenumbenennung - Just Listen - Berlin Postkolonial

Ein weiteres Beispiel für kolonial-rassistische Praxis im öffentlichen Raum stellt die M*straße in Berlin Mitte dar. Der namensgebende Begriff wird von vielen Menschen afrikanischer Herkunft als diskriminierende Fremdbezeichnung empfunden die im unmittelbaren Zusammenhang zu Versklavung und Unterdrückung steht. Seit mehreren Jahren wird die Umbenennung der Straße gefordert.

Neben Umbenennungen fordern Aktivist*innen auch die Kontextualisierung der Kolonialgeschichte und ihre Problematisierung in Form von Informationstafeln, Gedenktafeln u.ä. Über Straßenumbenennungen und ihre Kontextualisierung kann eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte gefördert und ein öffentliches Zeichen gegen Rassismus gesetzt werden.

*gemeint ist die rassistische Bezeichnung “Mohren” - weitere Infos auf eineweltstadt.berlin

„Wir werden mit Bezeichnungen konfrontiert - sei es jetzt die Beleidigung N*, sei es die Beleidigung M* - und da wäre es besonders wichtig, dass gehört wird, weshalb wir diese Worte nicht als Bezeichnung annehmen, weshalb sie beleidigend sind.“

- Karen Taylor

Anton W Amo - Straßenumbenennung - Just Listen - Berlin Postkolonial
Maji Maji - Straßenumbenennung - Just Listen - Berlin Postkolonial

Für weiterführende Informationen zum Thema Straßenumbenennung siehe folgende Seiten:

  • Internetauftritt des Bündnis “Decolonize Mitte”, das sich u.a. für eine Umbenennung der M*-Straße einsetzt. -Informationen über Dekoloniale Prozesse in Berlin Mitte und darüber hinaus
  • Internetauftritt des Projektes/Wanderausstellung “freedom roads”: Ausführliche Liste deutscher Straßen mit kolonialem Bezug
  • Ausführliche Informationen zum “Afrikanischen Viertel” Berlin und die damit verbundenen Kämpfe um Straßenumbenennungen
  • Dossier des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag zum Thema koloniale Straßennamen in Berlin, in Zusammenarbeit mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund) und Berlin Postkolonial

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“Es geht auch darum die verschiedenen Perspektiven und hier vor allen Dingen die Perspektiven der ausgebeuteten, der, deren Wissen angeeignet worden ist, ihnen nun Raum zu geben, ihr Wissen selber darzustellen und ihre Sichtweisen selber darzustellen.”

- Iman Attia

“Es geht auch darum die verschiedenen Perspektiven und hier vor allen Dingen die Perspektiven der ausgebeuteten, der, deren Wissen angeeignet worden ist, ihnen nun Raum zu geben, ihr Wissen selber darzustellen und ihre Sichtweisen selber darzustellen.”

- Iman Attia


Erinnerungspolitik

„Ich finde wichtig, dass es Erinnerungskonzepte gibt, die sich des Themas Versklavung und eben vor allem auch der deutschen und ehemals preußischen Beteiligung annehmen, aber eben auch ein Konzept mitdenken, in dem der Kolonialismus thematisiert werden kann.”

 - Josephine Apraku

Das Berliner Stadtbild trägt bis heute Spuren von Deutschlands kolonialer Vergangenheit, die jedoch nur in einigen Fällen als solche gekennzeichnet und kontextualisiert werden.

Während nach wie vor Straßennahmen und Denkmäler Kolonialverbrecher*innen ehren, gibt es nur wenige Orte, die den Opfern von Versklavung und Kolonialismus gewidmet sind.

Diese Seite soll einen Überblick über die Erinnerungsorte für Opfer von Versklavung und Kolonialismus geben, sowie über Projekte, die marginalisierte Erinnerungsperspektiven hör- und sichtbar machen. Trotz der Bemühungen des Komitees für die Errichtung eines afrikanischen Denkmals (KADIB), gibt es in Berlin bisher weder ein zentralen Gedenkort noch ein Informationszentrum.

„Ich denke, es wäre gut und wichtig, dass in Berlin ein Informationszentrum nebst Mahnmal errichtet und eröffnet wird, weil ich glaube, dass Berlin eine Schaltzentrale nicht nur des deutschen, sondern auch des europäischen und letztlich des westlichen Kolonialismus war"

- Joshua Kwesi Aikins

Erinnerungsorte / Denkmäler / Hinweise auf koloniale Implikationen:

 

Projekte / Aktivitäten die marginalisierte Erinnerungsperspektiven hervorheben:

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